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Reportagen

Ding Dong!

Geklingelt bei Autorin und Zirkusdirektorin Nina Weger.

In Nina Wegers übervollem Leben spielen Kinder die Hauptrolle. Nicht nur ihre eigenen. Auch die vielen Leser ihrer Bücher, die Zuschauer der Filme, für die sie die Drehbücher schreibt, und die ungefähr 40 kleinen Artisten des Kinderzirkus „Giovanni". Heute dürfen wir sie in ihrem Zuhause in Waldheim besuchen. Und das obwohl Tochter Greta Geburtstag hat. Oder gerade deshalb? Dass wir an diesem Tag dabei sein dürfen, passt irgendwie zur lebensbejahenden Offenheit von Nina Weger ...

Bei öffentlichen Personen ist es besonders spannend, wie diese wohl „in echt" sind. Als uns Nina Weger die Tür öffnet, klärt sich dieses Fragezeichen im Handumdrehen. Sie strahlt. Begegnungen mit Menschen scheinen ihr auf den Leib geschneidert. Leicht durchgefroren, genießen wir die warme, lichtdurchflutete Wohnung der Wegers. „Und, wie läuft das jetzt hier?", nimmt die Gastgeberin Fahrt auf. Die Energie, die Nina Weger in sich trägt, ist förmlich zu spüren. Sie zaubert Latte Macchiato für uns, und wir setzen uns an einen großen gemütlichen Holztisch – das Zentrum der Wohnung. Hier trifft sich die vierköpfige Familie. Um unsere Beine schnurrt Kater Pablo – ziemlich groß für eine Hauskatze. Kein Wunder, schließlich stecke eine Portion Wildkatze in ihm, erklärt Nina Weger. Das Wilde sieht man den Stühlen an, gegen die Kratzspuren sei die Familie inzwischen immun. Dass er bliebe, sei übrigens ein Riesenkompliment. „Normalerweise verkrümelt er sich schnell, wenn Fremde kommen", sagt sie. Gekonnt ordnet sie noch schnell die Wassergläser fürs Foto. „Ich war ja mal Regieassistentin", sagt sie und lacht. Das tut sie oft während unseres Gespräches. Schlechte Laune kriegt die Mutter zweier großer Kinder nur, wenn sie jemand stört. „Auch wenn einer nur mal kurz unterbricht, kann das die Arbeit von Stunden zerstören." In ihrer Wut werfe sie schon mal mit dem Telefon.

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Gut geplant, ist halb gewonnen

Bewusst haben wir uns für den Nachmittag verabredet, denn vormittags schreibt die Kinderbuchautorin. „Ich bin ein undisziplinierter Mensch", sagt sie von sich selbst. „Ich brauche feste Regeln." Und wenn es in dieser morgendlichen Kernzeit mal nicht läuft? „Dann gehe ich eine Runde im Wald spazieren, loslassen hilft." Manchmal schließt sie sich drei Tage in Timmendorf ein, blickt aufs Meer und schreibt durch. „Das Personal im Frühstücksraum fährt mit dem Staubsauger um mich herum", schmunzelt sie. Mit diesem Grundrauschen käme sie aber gut zurecht. Genauso wie sie ihren Tag plant, strukturiert Nina Weger auch ihre Bücher. Gerade beim Kinderbuch sei Struktur wichtig. „Kinder verzeihen dir keine Schlenker", weiß sie aus Erfahrung. Die Autorin nimmt ihre Leser sehr ernst. Nicht nur, dass sie jedes ihrer Bücher von Testlesern prüfen lässt. Sie recherchiert auch besonders gründlich und lässt Passagen immer wieder von Experten gegenlesen. Kinder würden gute Bücher brauchen – mehr noch als Erwachsene, begründet die Autorin ihre besondere Motivation. „Als Kind musst du viele Situationen aushalten, ohne das Leben selbst gestalten zu können."

Eine zweite Familie

Wie gut für die vielen kleinen Leser, dass Nina Weger damals nicht Seiltänzerin geworden ist. Immerhin ist sie ein ganzes Jahr mit dem Zirkus Belly unterwegs gewesen. „Doch das war nicht meins." Zu eng sei der Rahmen, in dem die Zirkusleute lebten. Und schon damals spürte sie, dass sie jemand sei, der besser gestaltet, als selbst in der Manege zu stehen. Genau das kann sie jetzt tun. Im Kinderzirkus „Giovanni" in Hannover, den sie gemeinsam mit Brigitte Kumkar ehrenamtlich leitet, inszeniert sie mit ungefähr 40 Kindern jede Saison eine neue Zirkusvorstellung. Dabei sei der Zirkus mehr als nur eine Trainingsstätte. Er sei wie eine zweite Familie. „Wenn alles zusammenbricht, der Zirkus bleibt", so Nina Weger, deren Kinder ebenfalls von klein auf beim Kinderzirkus waren. Ob Zirkusdirektorin oder Kinderbuchautorin – Nina Weger will keins von beiden missen. „Beim einen kann ich mich vom anderen erholen", schmunzelt sie. Gefragt, woher sie die Kraft für ihr unermüdliches Engagement nehme, spricht sie vor allem von ihrer Familie. „Ich habe etwas um mich herum, das beständig ist – auch wenn es beim Streit schon mal ordentlich zur Sache geht." Eins ist klar: „Ihre" Kinder wird sie niemals hängen lassen.

„Kinder brauchen gute Bücher. Sie müssen viele Situationen aushalten, ohne das Leben selbst gestalten zu können."


Zur Person Nina Weger

In Loccum am Steinhuder Meer aufgewachsen, lebt Nina Weger nach beruflichen Stationen in Berlin und Hamburg heute in Hannover. Schon während der Schulzeit entdeckt sie ihre Leidenschaft fürs Schreiben. Ein Volontariat bei der Springer Journalistenschule, ein Interview mit Regisseur Dieter Wedel, bei dem sie daraufhin als Regieassistentin anheuert, und später die Chance, Drehbücher zu schreiben – im Leben von Nina Weger hat sich immer eine Tür geöffnet. 2005 übernimmt sie von ihrem Vater den Kinderzirkus „Giovanni". Hier lebt sie ihre zweite Leidenschaft – und kommt zu ihrem ersten Kinderbuch ...

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