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Aufräumen. Sortieren. Loslassen.

Ein ordentlicher, gut organisierter Lebensraum kann Klarheit und Ruhe in unser Leben bringen und helfen, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Dabei geht es auch darum, einen Raum zu schaffen, der unsere Bedürfnisse und unseren Lebensstil widerspiegelt. Auf den folgenden Seiten finden Sie praktische Tipps, die für mehr Ordnung sorgen – und so zu mehr Wohlbefinden und Lebensqualität beitragen.

Manchmal kann man den Eindruck gewinnen, das Leben besteht im Großen und Ganzen aus dem Dreiklang „Aufräumen, Sortieren, Loslassen“. Dabei spiegelt sich das Gefühlschaos häufig in den eigenen vier Wänden, in unaufgeräumten Schränken, Schubladen und einer wilden Dateiordnung im Computer wider. Schlendriane aller Couleur kennen diesen Zustand, der allein schon beim Anblick der großen und kleinen Baustellen zu einer regelrechten Erschöpfung  und geradewegs Richtung Sofa führt – sofern hier noch ein Plätzchen frei ist. Dabei kann ein aufgeräumter und organisierter Raum das Wohlbefinden deutlich steigern, die täglichen Abläufe vereinfachen und vor allem Zeit einsparen, die sonst für die Suche verloren geht. 

Die Psychologie der Ordnung

Schöne Behälter sorgen für einen aufgeräumten Eindruck.

Aber warum fällt uns das Aufräumen dann so schwer? Zusammengefasst begründen Psychologen die Abneigung damit, dass beim Ordnungschaffen viele Entscheidungen in kurzer Zeit zu treffen sind und wir Dinge loslassen müssen. Das strengt an. Sind wir wiederum gestresst oder haben andere schwere Aufgaben zu erledigen, neigt unser Gehirn dazu, uns zum Aufräumen oder Putzen zu motivieren. Den Grund dafür sehen Psychologen darin, dass uns diese Aktivität das Gefühl von Kontrolle, Macht und Sicherheit gibt. Am Ende des Aufräum- und Aussortierprozesses fühlen wir uns generell besser, denn vollgestellte Böden, Tische und Regale lenken permanent die Aufmerksamkeit auf sich und lassen uns nur schwer zur Ruhe kommen. Das Aufräumen, Sortieren und Loslassen wirkt also letztlich beruhigend, Stress reduzierend und führt zu einem befreiten Aufatmen.

Klar Schiff machen

Wer nach Tipps zum Thema Aussortieren und Ordnung sucht, verliert sich allerdings schnell im Überangebot: Leitfäden versprechen, mit wenigen Maßnahmen zum perfekten Zuhause zu verhelfen. Social-Media-Plattformen präsentieren Bilder von staubfreien Minimalismus-Wohnungen, und auf Netflix zeigt Ordnungs-Star Marie Kondo, wie sie alle Dinge, die keine Freude mehr hervorrufen, entsorgt. Welcher Weg ist denn nun der richtige? „Es gibt keinen allgemeingültigen Weg, der auf alle zutrifft“, klärt Aufräum-Coachin Edelgard Härter aus Wunstorf auf. Man sollte für sich herausfinden, was einem entspricht. „Ich finde es überfordernd, wenn Marie Kondo den gesamten Inhalt des Kleiderschranks ausräumt und jede Unterhose in die Hand nimmt, um in sich hineinzufühlen, ob diese noch glücklich macht. Aber andere kommen genau damit am besten klar.“ 

Seit 2013 unterstützt die gelernte Kauffrau Menschen dabei, ihr persönliches Chaos in den Griff zu bekommen, und begleitet sie beim Loslassen. Von der Schreibtischablage über einzelne Wohnbereiche bis zum Messie-Haus: Das Interesse an ihrer Dienstleistung steigt quer durch alle Gesellschaftsschichten: „Die meisten meiner Kunden sind Lehrer und Therapeuten, die wegen ihrer vielen bürokratischen Abläufe ihre Schreibtischablage in den Griff bekommen möchten.“ Zum Klientel gehören aber auch viele Frauen, die überfordert sind, weil sie neben der Vollzeitstelle Kinder, ein Haustier, pflegebedürftige Eltern oder andere Verpflichtungen haben. 

Aufräumen. Aussortieren. Aufatmen!

Unsere Tipps:

Zeit einplanen: Wo staut sich die Unordnung? Aufschreiben, priorisieren und dafür realistisch Zeit einplanen. Um dranzubleiben, integrieren Sie das Aufräumen in Ihre tägliche und wöchentliche Routine.

Klein anfangen: Statt sich ein ganzes Zimmer vorzunehmen, den Raum in kleine Bereiche unterteilen, wie Schreibtisch oder Schublade.

Gegenstände sortieren: Stellen Sie nach Art oder Nutzung zusammen, was zusammengehört. Für den Überblick kommt jeder Gegenstand in eine von drei Kisten: behalten, aussortieren und aufbewahren auf Zeit. Was aus der dritten Kiste nach einem Jahr nicht vermisst wurde, verschenken oder entsorgen.

Platz festlegen: Um die neue Ordnung zu behalten, für jeden Gegenstand einen festen Platz finden – und genau dort nach Gebrauch wieder hinräumen. Fußböden und Türen frei lassen. Alles, was gesammelt wird, etwa Zeitschriften, in nur einen Behälter legen. Ist der voll, aussortieren.

Nebenbei aufräumen: Auf dem Weg vom Wohnzimmer ins Bad z. B. die benutzten Teller in die Küche mitnehmen.

Tabula rasa: Loslegen und loslassen

Allen ihren Kunden gemein ist das Gefühl, einen riesigen Berg vor sich zu haben und nicht zu wissen, wo und wie sie starten sollen. Die Expertin rät, durch die Wohnung zu gehen, sich die Baustellen in einzelnen Kategorien zu notieren, nach Priorität zu sortieren und sich dafür realistische Zeiträume im Kalender einzutragen. „Das ist wie eine Verabredung mit sich, in der man sich Wertschätzung entgegenbringt.“ Das Loslassen ist oft der schwierigste Teil des Aufräum- und Organisationsprozesses. Von „Das hat mal viel Geld gekostet“ über „Das brauche ich vielleicht noch“ bis hin zu „Das ist ein Geschenk oder ein Erbstück“ – Aufräum-Coachin Härter kennt alle Argumente: „Loslassen kann sehr emotional sein. Sind die Sachen stark mit Erinnerungen und Lebensträumen verbunden, sollte man sie behalten.“ Sonst sei es aber nützlich, radikal vorzugehen. Hat man nicht ohnehin gerade einen Umzug vor sich, hilft beim Ausmisten allein die Vorstellung, man würde umziehen: „Konzentrieren Sie sich dann immer auf das Ziel: unnötigen Ballast loswerden, weniger schleppen, Platz für Neues und Freiraum schaffen.“

Verschenken, spenden, nachhaltig handeln

„Die Vorstellung, dass alte Lieblingsstücke nicht auf der Müllhalde, sondern im Leben und Herzen einer anderen Person landen, ist gerade für ältere Menschen beziehungsweise die Nachkriegsgeneration wichtig.“ Dinge zu spenden, zu verschenken oder zu verkaufen, ist obendrein auch umweltbewusst. „Die Sachen sollten dann aber auch wirklich verschwinden. Dafür verabrede ich einen Zeitpunkt mit meinen Kunden.“ Die resolute Expertin macht sich vor Ort zunächst einen Überblick über vorhandenen oder zu schaffenden Stauraum: „Ich starte am liebsten mit dem Keller, um Unwichtiges auszusortieren und Platz zu schaffen für das, was selten gebraucht wird, etwa die Weihnachtsdekoration.“ Nachdem der Keller entrümpelt wurde, im Wohnraum der Müll aussortiert und die Böden freigeräumt sind, geht es an einzelne Kategorien, über die verhandelt wird. Die Ordnungsliebhaberin stellt dann zum Beispiel alle 10 Pfannen im Haushalt auf den Tisch: Von jeder Größe darf die Kundin eine behalten. Der Rest wird ins Sozialkaufhaus oder zu einer karitativen Abgabestelle gebracht. „Zu sehen, wie viele Dinge es im Haushalt von nur einer Sache gibt, überzeugt die meisten davon, sich von Überflüssigem zu trennen.“

Alles in Ordnung? Jetzt dranbleiben!

„Mein Ziel ist, dass meine Kunden nach Beendigung der Zusammenarbeit selbstständig weiterhin Ordnung halten und loslassen können, von allem, was sie nicht mehr brauchen, sodass sie sich gut damit fühlen.“ Um die Ordnung beizubehalten, sei das Allerwichtigste, sich feste Zeiten einzuräumen: „Ich empfehle, zehn Minuten am Tag zum Aufräumen, zwei bis drei Stunden pro Woche zum Saubermachen und eine Stunde für die Schreibtischablage fest im Kalender einzuplanen.“ Bei Neuanschaffungen sollte man sich genau überlegen, ob das wirklich gebraucht wird oder ob man damit gerade etwas anderes, wie Langeweile oder Einsamkeit, kompensiert: „Um wirklich etwas zu bewirken, muss man da einfach mal durch und die Disziplin aufbringen.“ Scham sei allerdings überflüssig. Man sollte sich beim Trainieren des Aufräum- und Aussortiermuskels nicht entmutigen lassen – und sich notfalls Hilfe suchen. Indem wir unsere Umgebung ordnen und von Unnötigem befreien, können wir schließlich auch unsere Gedanken klären. Ein aufgeräumtes Zuhause kann zu einem aufgeräumten Geist und beides zusammen zu einem erfüllteren Leben führen.

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