In ihren Bildern spiegelt sich ihr kritischer Blick auf die Geschehnisse unserer Zeit wider. Manchmal finden sich versteckte Botschaften – immer verknüpft mit einer „Idee dahinter“.
Frau Zolnir, Sie sind eine sehr vielseitige Künstlerin. Wann wussten Sie in Ihrer Lebensphase, dass Sie einen kreativen Weg einschlagen?
Tatsächlich prägte mich mein Zeichenlehrer aus der Grundschulzeit, der mir sagte: „Elke, wenn du groß bist, dann mache irgendwas mit Malerei.“ Aber auch meine Eltern, die mir immer Papier und Bleistifte in die Hand gaben, wenn ich unruhig war, haben wohl indirekt mein Talent gefördert. Somit studierte ich Ende der 1960er-Jahre an der Werkkunstschule Hannover im Fachbereich Textildesign, Acryl- und Pastellmalerei, Federzeichnungen und Pointillismus.
Was versteht man unter Pointillismus, und gibt es einen künstlerischen Bereich, den Sie fokussieren?
Der Pointillismus bezeichnet eine Stilrichtung in der Malerei, bei der der Farbauftrag in unzähligen winzigen Punkten reiner Farbe erfolgt. Ich tupfe kleine Punkte mit sehr feinen Federn und Stiften aufs Papier. Es ist eine zeitintensive Technik, die höchste Konzentration verlangt. Dieser Prozess hat eine große Bedeutung für meine kreative Arbeit. Das steht konträr zu unserer schnelllebigen Zeit. Aber ich fokussiere mich nicht auf die eine Technik oder das eine Thema; man sollte immer offen sein. Wer sich festlegt, kann sich nicht kreativ ausleben.
Was kreieren Sie als Designerin?
Ich machte mich noch während meines Studiums selbstständig und entwickelte Artikel für den Heimbereich, etwa textile Designs, Glas und Keramik. Mit meiner Firma verkaufte ich europaweit Designobjekte an den Einzelhandel und auf Messen. Groß rausgekommen ist etwa ein Geschirr, das ich mit einem Kreuzstichmotiv bedrucken ließ. Und auf der Interieur-Messe „Ambiente“ in Frankfurt platzierte ich in den 1980er-Jahren einen unechten weißen Weihnachtsbaum, den ich mit goldenen Vögeln dekorierte. Ein totaler Hingucker, so etwas gab es bisher nicht. Es folgte ein TV-Bericht über mich beim NDR. Ich habe viele Ideen und zur richtigen Zeit die richtigen Dinge entworfen. Damit war ich sehr erfolgreich. Als Designerin bin ich jedoch seit vielen Jahren nicht mehr tätig, ich widme mich meiner Leidenschaft fürs Malen.
Welche Motive inspirieren Sie als Malerin?
Ich sehe Gesagtes bildlich vor mir. Und ich male das, was ich erlebe. In einem Schaufenster in der Stadt entdeckte ich mal einen verrückten Schuh, daraus entstand meine Pointillismus-Serie „Schuhverlässig“. Kleine Frauengestalten klettern über die Schuhe, das amüsiert mich. Ich bin Ü70, aber munter wie ein Turnschuh. Das zeigt sich auch in meinen Bildern, in denen sich immer eine Idee verbirgt, eine erlebte Situation oder etwas, was ich im Leben aufschnappe. Hierfür verwende ich gern eine Mischtechnik aus Acrylfarben und schwarzen, ausdrucksstarken Pointillismus-Elementen.
Was möchten Sie mit Ihrer Kunst aussagen?
Mein Motto lautet: Sich jeden Tag neu erfinden und Anteil nehmen an politischen und sozialen Themen. Somit bilde ich auch etwa Diskriminierung, Alkoholismus oder Despoten ab. In meiner letzten Ausstellung „Im Wandel der Zeiten“, das war Ende 2024, zeigte ich Bilder, die eben nicht so „gefällig“ waren. Ich glaube, das hat den Besuchern nicht gefallen, sie wirkten nicht interessiert an diesen Themen. Wer Aufmerksamkeit will, muss jedoch provozieren. Ich will irritieren, zum Nachdenken anregen. Das ist ein Teil von mir, das bin auch ich.
Planen Sie bereits weitere Ausstellungen?
Nein. Ich brauche Ruhe zum Malen, es soll Spaß machen. Ich arbeite dann, wenn mich die Motivation packt. Manchmal auch an drei Bildern gleichzeitig oder mitten in der Nacht. Die letzte Ausstellung kann jedoch nach Terminabsprache weiterhin in meinem Atelier in der Nordfelder Reihe 15 besichtigt werden. Ich heiße jeden Interessierten herzlich willkommen.