Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen das bestmögliche Nutzererlebnis zu gewährleisten. Wir protokollieren natürlich streng anonymisiert Ihr Nutzerverhalten, um für Besucher wichtige Themen zu identifizieren und eventuell auftretende Funktionsfehler zu entdecken. Weitere Informationen und die Widerspruchsoption zum Tracking finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
OK
zurück
Reportagen

Ding Dong!

Geklingelt bei Hannovers Zoodirektor Andreas Michael Casdorff

Aus seinem Büro blickt er auf die Streichelwiese: Andreas Michael Casdorff, der Geschäftsführer des Zoos in Hannover. Wir sprachen mit ihm über Persönliches.

Wie reagieren die Leute, wenn Sie sagen, dass Sie Zoodirektor sind?
Doktor Tierlieb (der Zoodirektor bei „Benjamin Blümchen") oder sowas kommt dann immer. Natürlich haben viele erst mal die Vorstellung: „Aber du bist doch gar kein Zoologe oder Tierarzt, was machst du denn da die ganze Zeit?" Das waren auch die ersten Worte meiner Kinder, als ich gesagt habe, dass ich in den Zoo wechsle. „Du kannst doch gar nicht die Ställe saubermachen, du hast doch gar keine Ahnung davon!" Das ist richtig, aber, wenn man erzählt, was auf der Tagesordnung steht, wird klar, dass es am Ende des Tages „nur" ein „schnöder" Managementjob ist – mit einem ganz tollen Thema.

Was gehört zu Ihren Aufgaben?
Als der Wirtschaftsprüfer da war, habe ich mich viel mit Zahlen beschäftigt. Aktuell stellen wir die Gastro neu auf, daher gucke ich mir viel vor Ort in der Küche an. Wenn wir wieder bauen zum Beispiel bei den Schneeeulen, dann bin ich oft auf der Baustelle. Viel dreht sich um Strategie, Marketing und Personalfragen. Es hängt immer davon ab, was gerade ganz oben auf der Prioritätenliste steht.

In welcher Rolle sehen Sie sich?
Mein Hauptjob ist es, die richtigen Leute zusammenzubringen und ein Team zu haben, auf das ich mich verlassen kann. Das durchaus kritisch ist und auch Widerworte hat. Ich habe zum Beispiel ein sehr erfahrenes Team in der Zoologie, das in vielen Fragen Vetorecht hat. Wenn meine Kollegen mir sagen, eine Robbenshow können wir nur zwei Mal im Monat abends machen, weil wir sonst den ganzen Ablauf der Tiere durcheinanderbringen, dann finde ich das zwar schade, weil ich sie gern vier oder fünf Mal anbieten würde, aber dann ist das halt so. Es ist sehr wichtig, anderen zuzuhören und alles ernst zu nehmen. So hat mich zum Beispiel meine Tochter darauf gebracht, wie wichtig ein Instagram-Auftritt für uns ist.

Kennen Sie sich dennoch gut mit Tieren aus?
ich habe den „Puschmann" am Bett liegen. Das ist das Standardwerk der Zoologie. Sich in ganz andere Dinge reinzudenken, ist für mich das Reizvolle an meinem Beruf. Mit 48 habe ich mir die Frage gestellt: Willst du das eine zu Ende machen (bei TUI im Management) oder lieber noch mal etwas anderes machen? Und dann habe ich mich umgeguckt und fand den Zoo sehr spannend. Mit den Tierpflegern durch den Zoo zu gehen, zu erfahren, warum sich die Tiere in dem Moment entsprechend verhalten, und viel darüber zu lesen, fasziniert mich sehr.

 

„Ich habe leider nicht jeden Tag permanent Tierkontakt. Daher genieße ich es sehr, tatsächlich mal kurz im Stall oder im Gehege zu sein." Andreas Michael Casdorff, Geschäftsführer Zoo Hannover 

ES GIBT INSGESAMT 2.039 TIERE IN 173 ARTEN IM ZOO HANNOVER 
JÄHRLICH WERDEN 280.400 KG HEU GEFRESSEN

Welche Rolle spielt die Tierbeschäftigung?
Die Tierbeschäftigung ist zu unserer Hauptaufgabe geworden. Im Löwengehege werden regelmäßig Parfüm und Gerüche jeglicher Art versprüht, damit dort immer alles anders riecht und von den Tieren neu erkundet werden muss. In freier Wildbahn würden sie stundenlang damit verbringen, auf Futter zu lauern. Hier wird das Futter zu einer bestimmten Zeit gebracht. Viele Tiere mögen Tiertraining tatsächlich gerne, weil sie dann was zu tun haben. Für unsere Affen haben wir in den Gehegen Futterautomaten. Da gibt es unter anderem ein Holzstück, das gefüllt ist mit Honig. Die Affen können dann mit Stöcken darin „prokeln", bis sie ihn rausbekommen. Zum Teil werden die Beschäftigungen von den Tierpflegern entwickelt, es gibt aber auch Fachfirmen.

Haben Sie persönlich schon mal eine besondere Tour gemacht, auf der Sie Tiere in freier Wildbahn erlebt haben? 
Ja, in Island haben wir uns Wale angeguckt. Ein Guide hat uns mit einem Schlauchboot vorsichtig in die Nähe der Tiere gefahren. Tiere in der Natur zu sehen, ist toll. Man merkt, wie schwierig es zunehmend wird, an sie heranzukommen – so nah will und darf man ja auch nicht ran. Aber generell zieht es mich für Urlaube eher in den Norden – in die Natur und Einsamkeit – als in den Süden.

Und was machen Sie sonst, wenn Sie nicht arbeiten?

Wenn ich nicht gerade arbeite – das gibt es auch –, dann bin ich viel mit den Kindern unterwegs. Meine beiden Töchter (14 und 16 Jahre alt) spielen Fußball und da muss Papa auch durch (lacht). Außerdem liebe ich alte Autos. Und ich handwerke gerne, da gibt es eine Liste meiner Frau, was zuhause alles gemacht werden muss. Ich mag Dinge,
die man mit der Hand macht, wo man etwas schafft und Ergebnisse sieht. Vieles im Beruf sind Gespräche oder findet im Kopf und auf Papier statt, von daher liebe ich den Ausgleich.

Zur Person:

Andreas Michael Casdorff war als Kind das erste Mal in Hagenbecks Tierpark – schließlich ist er in Hamburg aufgewachsen. Mittlerweile wohnt er schon seit 36 Jahren in Hannover. Lange Zeit war er bei der TUI im Management tätig, bis er 2013 zum Zoo wechselte.

Info

Öffnungszeiten:
Sommersaison
montags bis sonntags 9:00 – 18:00 Uhr

So kommen Sie in den Zoo:
Folgende Adresse für das Navi im Auto:
 Adenauerallee, 3
30175 Hannover
zoo-hannover.de

Galerie:

Weitere Inhalte, die Sie interessieren könnten:

Aktuelles: Übersicht